„Kirche tut gut“: Bezirkssynode Karlsruhe-Land berät über Zukunft der Kirche und wählt Gremienmitglieder

- 11.05.2026 - 

Die derzeitige Krise der Kirche ist nicht nur eine strukturelle, sondern vor allem eine geistliche. Deshalb entscheidet sich die Zukunft der Kirche nicht so sehr durch organisatorische Reformen, sondern dort, wo Menschen geistlich erneuert werden und Verantwortung übernehmen – für Glauben, Gemeinde und Welt. Diese Ansicht vertrat Pfarrer Klaus Douglass (Eltville bei Wiesbaden) bei der konstituierenden Sitzung der neuen Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Karlsruhe-Land in Weingarten. 

Bei der konstituierenden Bezirkssynode in Weingarten beschäftigten sich die Synodalen mit dem Thema „Kirche tut gut.“ Bild: Claudius Schillinger
Sein Impulsvortrag stand unter dem Titel „Bleibt alles anders? Die fünf Herausforderungen für die Kirche von morgen“. Der Theologe leitete die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung in Berlin, eine gemeinsame Arbeitsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Diakonie. 
Klaus Douglass machte sieben tektonische Verschiebungen aus: 1. Der Verlust der christlichen Selbstverständlichkeit. 2. Das Individuum als letzte Autorität. 3. Der Vertrauensverlust gegenüber Institutionen. 4. Der Zerfall homogener Milieus. 5. Die digitale Revolution. 6. Corona als Beschleuniger und 7. Die Erschöpfung des Systems.
Diese Veränderungen seien wie „tektonische Verschiebungen“: tief, vielleicht noch unbemerkt, aber grundlegend und irreversibel. Strukturelle Änderungen wie finanzielle Kürzungen, Fusionen oder Kooperationen seien unumgänglich. Allerdings lösen strukturelle Maßnahmen kein einziges geistliches Problem, sondern können lediglich Rahmenbedingungen schaffen. 
Laut Klaus Douglass steht die Kirche inhaltlich vor fünf Herausforderungen: 1. Wie werden aus Kirchenmitgliedern Jüngerinnen und Jünger von Jesus Christus? 2. Wie wird das allgemeine Priestertum aller Gläubigen gelebte Realität? 3. Wie befähigen Hauptamtliche andere, statt alles selbst zu tragen? 4. Wie lernen Gemeinden, nicht nur Neues zu starten, sondern Altes loszulassen? 5. Wie wird Kirche geistlich erneuert – statt nur organisatorisch umgebaut?
Um aus Kirchenmitgliedern Jüngerinnen und Jünger von Jesus Christus zu machen – also Menschen, die sich geistlich prägen lassen und selbst Menschen geistlich prägen –, sind ihm zufolge notwendig: einladende Angebote, das Evangelium kennenzulernen, also unter anderem Glaubenskurse; Gemeinschaft; Spirituelle Praxis wie Gottesdienste, Bibel und Gebet; Liebe in Aktion wie praktische Nächstenliebe, soziales Engagement sowie Begleitung und Befähigung. 
Beim allgemeinen Priestertum aller Gläubigen gelte, dass jede Aufgabe in der Gemeinde Anteil an diesem Auftrag habe. Wichtig sei ferner, dass Hauptamtliche künftig sich mehr als „Trainer/innen und Ermöglicher/innen“ und weniger als „Alleskönner/innen“ verstehen. So könnten sich die Hauptamtlichen auf ihre Stärken konzentrieren und Gemeinden würden ihr Wachstumspotenzial entfalten. Laut Klaus Douglass ergibt es nicht viel Sinn, wenn Gemeinden ständig Neues starten, ohne die Bereitschaft, Altes gegebenenfalls auch loszulassen. Als wichtiges Kriterium nannte er: „Geld und Personal sollten vor allem für geistliche Vervielfältigung eingesetzt werden.“ Der Theologe wies darauf hin, dass geistliche Erneuerung an vielen Stellen entstehe. Man solle und brauche darum nicht auf andere oder auf ideale Rahmenbedingungen warten. Veränderung wird dann ein positiver Wert, wenn sie nicht aus Not, sondern aus einer positiven Vision heraus erfolge. „Wer möchte, dass Kirche bleibt, wie sie ist, möchte nicht, dass Kirche bleibt“, so das Fazit von Klaus Douglass. 
 
Auf der Tagesordnung standen auch die Wahlen zum Bezirkssynodenvorstand, zur Landessynode, zur Dekanstellvertretung und zum Bezirkskirchenrat. Die 65 Synodalen bestätigten einstimmig Nicole Barié (Stutensee-Staffort) als Vorsitzende der Bezirkssynode, Dekan Martin Reppenhagen als ihren ersten Stellvertreter und Katja Crocoll (Söllingen) als ihre zweite Stellvertreterin.
Den Kirchenbezirk vertreten in der Landessynode Sascha Alpers (Berghausen-Wöschbach), Corina Dörnenburg (Langensteinbach) und Pfarrer Pascal Würfel (Neureut). 
Zu den Dekan-Stellvertretern wählten die Synodalen Pfarrer Matthias Boch (Leopoldshafen) und Pfarrer Holger Jeske-Heß (Spielberg).
Dem Bezirkskirchenrat gehören künftig an: Als Vertreter im kirchlichen Dienst: Pfarrer Andreas Heitmann-Kühlewein (Ettlingen), Pfarrer Jochen Stähle (Weingarten) und Pfarrerin Katja Willunat (Graben-Neudorf). Als Vertreter im nichtkirchlichen Dienst: Ute Bilkenroth (Rheinstetten), Katja Crocoll (Söllingen), Rüdiger Heger (Linkenheim), Elke Körfer (Söllingen), Corina Mayer (Spöck) und Dieter Zeppenfeld (Blankenloch). Kraft Amtes gehören dem Gremium an die Bezirkssynodenvorsitzende Nicole Barié (Stutensee-Staffort), Dekan Dr. Martin Reppenhagen, seine beiden Stellvertreter Matthias Boch (Leopoldshafen) und Pfarrer Holger Jeske-Heß (Spielberg), Schuldekan Stephan C. Thomas (Ettlingen) sowie die drei Landessynodalen Sascha Alpers (Berghausen-Wöschbach), Corina Dörnenburg (Langensteinbach) und Pfarrer Pascal Würfel (Neureut).
 
Stellvertretende Mitglieder im kirchlichen Dienst sind Bezirksjugendreferentin Verena Essig (Rheinstetten), Pfarrerin Dorothea Schulz (Ittersbach) und Pfarrerin Andrea Schweizer (Egggenstein). Stellvertretende Mitglieder im nichtkirchlichen Dienst sind Rolf Bodemer (Mutschelbach), Alexander Grill (Berghausen-Wöschbach), Heike Heuer (Waldbronn), Christiane Morgenstern (Neureut), Erik Roßbach (Söllingen) und Sabine Wachs (Berghausen-Wöschbach).
 
In den Verwaltungsrat des Verwaltungs- und Serviceamts Mittelbaden entsandten die Delegierten Rolf Bodemer (Mutschelbach) und Dekan Martin Reppenhagen (Ettlingen). Ihre Stellvertreter sind Alexander Grill (Berghausen-Wöschbach) und Rolf Selzer (Spielberg). Im Amt des Bezirksdiakoniepfarrers bestätigten die Delegierten Pfarrer Claudius Zeller aus Malsch.
 
Dekan Dr. Martin Reppenhagen wies darauf hin, dass im Kirchenparlament des Kirchenbezirks wichtige Rahmenbedingungen geschaffen und Weichen gestellt werden. „Es begleitet uns die Frage, wie wir uns künftig im Dienst füreinander und für andere aufstellen können.“ Der Slogan „Kirche tut gut“ werde dabei nicht nur von vielen Bezirkssynodalen bestätigt, sondern sei gleichfalls Herausforderung: „Wir wollen daran arbeiten, dass dies auch andere erleben können. Gemeinsam wollen wir die nächsten Jahre nutzen, um im Kirchenbezirk gestaltend zu wirken.“
 
Beim Eröffnungsgottesdienst überreichte Dekan Dr. Martin Reppenhagen Rüdiger Heger aus Linkenheim die Goldene Ehrennadel der Evangelischen Landeskirche in Baden als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für ehrenamtliches Engagement. Der Geehrte ist seit vielen Jahren auf verschiedenen Ebenen der Kirche aktiv.